Theriak venezian



Heilen mit Schwedenkräutern

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Der Theriak ist das "Wundermittel" unter den Schwedenkräuter-Zutaten.

Beim Theriak handelt es sich nicht um eine einzelne Heilpflanze, sondern um eine Kräutermischung. Der Theriak in den Schwedenkräutern ist also eine Kräutermischung in der Kräutermischung.

Der Theriak hat eine sehr alte Geschichte, denn er wurde schon im Altertum als Allheilmittel angepriesen. Schon etwa 170 v. Chr. schrieb Nikandros von Kolophon in seinem Werk "Theriaka" über die Behandlung von Tierbissen und -stichen und beschrieb dabei den Theriak. Danach taucht der Theriak immer wieder in medizinischen Texten auf, z.B. bei Galen.

Besonders gerne wurde der Theriak als Gegengift, vor allem gegen Schlangenbisse eingesetzt. Auch gegen alle anderen Arten von Gesundheitsbeschwerden sollte der Theriak helfen können.

Schon in den frühen Überlieferungen von Theriak-Rezepten enthielt dieses Allheilmittel häufig um die 50 verschiedene Zutaten. Im Laufe der Jahrhunderte kamen immer mehr Zutaten hinzu, bis einige Rezepte im späten Mittelalter bis zu 600 verschiedene Substanzen enthielten.

Weil einige der üblichen Theriak-Zutaten sehr teuer waren, war auch der ganze Theriak mitunter extrem teuer. Das wurde gerne von Fälschern und Quacksalbern ausgenutzt. Als die Theriak-Fälscherei überhand nahm, wurde die Zubereitung des Theriaks an einigen Orten unter die Aufsicht von offiziellen Würdenträgern, Ärzten und Apothekern gestellt.

Aus Venedig stammte ein sehr berühmter Theriak, der zur genauen Kennzeichnung "Theriak venezian" genannt wurde.

Heutzutage wird der Theriak eher selten verwendet. Die modernen Theriak-Rezepte haben auch nicht mehr viel mit den alten Vielkräuter-Mischungen gemeinsam.

Nichtsdestotrotz sind sowohl alte als auch moderne Theriak-Mischungen durchaus wertvolle Heilpflanzen-Gemische, die bei vielen Gesundheitsbeschwerden gute Dienste leisten können.

Anwendungsgebiete

Traditionelle Anwendungsgebiete des Theriaks sind:

·         Vergiftungen

·         Infektionskrankheiten

·         Schmerzen

·         Herzkrankheiten

·         Gesundheitsbeschwerden aller Art

Aufgabe in den Schwedenkräutern

Die medizinisch wirksame Aufgabe in den Schwedenkräutern kann nur genau festgestellt werden, wenn ganz klar ist, welches Theriak-Rezept für die Schwedenkräuter verwendet wird.

Aktuelle Theriak-Rezepturen enthalten mit Sicherheit keine giftigen Substanzen, also weder Opium noch Meerzwiebel. Das schränkt naturgemäß auch die Wirkung deutlich ein.

Aktuelle Theriak-Rezepte haben folgende Wirkungen:

·         angstlösend

·         anregend

·         antiseptisch

·         beruhigend

·         blutzuckersenkend

·         entzündungshemmend

·         krampflösend

·         schleimlösend

·         tonisierend

·         verdauungsfördernd

·         wundheilend

Hinzu kommt vermutlich noch, dass man sich bei der Zusammenstellung der ersten Schwedenkräuter-Rezepte gerne der vermeintlichen "Wunderwirkung" des Theriaks bedienen wollte.

Der extrem teure Theriak wurde durch die Schwedenkräutermischung gestreckt und dadurch auch billiger. So konnten auch ärmere Menschen an der Heilwirkung des Theriaks teilhaben. Da die anderen Schwedenkräuter-Zutaten ja auch sehr gute Wirkungen haben, konnte man diese Theriak-Verdünnung mit gutem Gewissen betreiben.

Zusammensetzung

Theriaks werden meistens als Latwerge zubereitet, das ist eine mus- oder pastenartige Zubereitung mit Honig und Wein.

Die Grundsubstanzen des Theriaks erhält man häufig als Pulver, aus dem man dann mit Honig und Wein im Wasserbad eine Paste herstellen kann. Manchmal erhält man den Theriak auch schon fertig zubereitet als Paste.

Die Rezepte der Theriak-Zubereitungen sind im Laufe der Jahrhunderte und von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. Daher kann man auch kein Standard-Rezept für Theriak angeben.

Ein Theriak-Rezept aus dem 19. Jahrhundert (Quelle: Meyers Konversationslexikon von 1897) lautet folgendermaßen:

·         1 Teil Opium

·         6 Teile Angelikawurzel

·         4 Teile Schlangenwurzel, z.B. Rauwolfia, Virginische Schlangenwurzel, Traubensilberkerze, Schlangenknöterich

·         2 Teile Baldrianwurzel

·         2 Teile Meerzwiebel

·         2 Teile Zitwerwurzel

·         9 Teile Zimt

·         1 Teil Kardamom

·         1 Teil Myrrhe

·         1 Teil Eisenvitriol

·         3 Teile Wein

·         72 Teile Honig

 

Auch wenn dieses Rezept zeitlich recht weit entfernt von den Ursprüngen des Theriaks ist, und auch deutlich weniger Zutaten als 600 enthält, kann man einige typische Eigenheiten des Theriaks erkennen.

·         Opium war ein wesentlicher Bestandteil der meisten Theriak-Mischungen. Dadurch konnte man eine gewisse schmerzstillende Wirkung erwarten und der Kranke wurde zudem ruhig und zufriedener.

·         Schlangenwurzel war eine beliebte Zutat in Theriaks. Doch zahlreiche Pflanzen werden im Volksmund "Schlangenwurzel" genannt, daher ist nicht ganz klar, welche Pflanze wirklich gemeint ist. Folglich kamen verschiedene Pflanzen als Schlangenwurzel zum Einsatz, beispielsweise:

·         Rauwolfia: herzwirksam, beruhigend, gegen Schlangenbisse.

·         Virginische Schlangenwurzel (Virginienhohlwurzel): gegen Schlangenbisse.

·         Traubensilberkerze: viele Wirkungen, u.a. herzstärkend, schmerzstillend, gegen Frauenbeschwerden, gegen Schlangenbisse.

·         Schlangenknöterich: gegen Schlangenbisse.

·         Meerzwiebel ist eine starke herzwirksame Heilpflanze, ähnlich aber milder wie der Fingerhut (Digitalis).

·         Eisenvitriol (Eisen(II)-sulfat) könnte unter anderem deshalb enthalten sein, weil es die adstringierenden Anteile der Virginischen Schlangenwurzel bindet. Außerdem wirkt Eisenvitriol anscheinend antiseptisch.

·         Vipernfleisch kommt zwar in diesem Rezept nicht vor, war zeitweise jedoch eine beliebte Theriak-Zutat, um gegen Schlangenbisse zu helfen.

 


 

Ein heute lieferbares Theriak-Rezept stammt von der Firma Caelo, die Apotheken beliefert:

·         Angelikawurzel (ca. 40%)

·         Baldrianwurzel (ca.15%)

·         Zimt (ca. 15%),

·         Zitwerwurzelstock (ca. 15%)

·         Cardamom (ca. 7,5%,

·         Myrrhe (ca. 7,5%)

 

Dieses Rezept ist möglicherweise das, was man heutzutage am häufigsten als Theriak erhält.

Es enthält nützliche Heilpflanzen, wie man sie teilweise auch in den Schwedenkräuter noch einmal vorkommen, z.B. Angelikawurzel.

Hinzu kommen Baldrian, der beruhigend wirkt, Zimt mit einer blutzuckersenkenden Wirkung und Cardamom mit einer krampflösenden Wirkung. All diese Heilpflanzen haben auch noch weitere Wirkungen.




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